Warum Aktien nach wie vor alternativlos sind

09/26 – Die täglichen Nachrichten zeichnen oft ein düsteres Bild: Geopolitische Spannungen, unruhige Regionen im Nahen Osten, hartnäckige Inflation und politische Ungewissheiten dominieren die Schlagzeilen. Gleichzeitig kratzen die großen internationalen Aktienindizes immer wieder an neuen Rekordhochs. In solchen Marktphasen treffe ich in der Beratungspraxis regelmäßig auf eine sehr menschliche und verständliche Reaktion: Die unterschwellige Angst vor dem nächsten Crash.

„Jetzt ist doch schon alles viel zu teuer“, lautet dann oft der erste Gedanke. „Sollte ich nicht lieber warten, bis die Kurse wieder fallen, bevor ich einsteige?“

Diese Sorge ist nachvollziehbar, aber sie kostet Sie auf lange Sicht bares Geld. Wenn wir die Entwicklungen der Weltwirtschaft und die Mechanismen der Finanzmärkte nüchtern betrachten, zeigt sich ein völlig anderes Bild: Aktien sind nach wie vor absolut alternativlos. Marktrückgänge sind zwar völlig normal, aber sie sind lediglich ein natürlicher Teil des Spiels und für den langfristigen Vermögensaufbau vollkommen irrelevant.

Der Normalzustand sind Höchstkurse

Es fühlt sich für uns alle intuitiv riskant an, auf einem „Allzeithoch“ (All-Time-High) zu investieren. Wir haben im Alltag gelernt, im Schlussverkauf günstig einzukaufen. Doch die globale Wirtschaft funktioniert grundlegend anders. Wer einen Schritt zurücktritt und sich die langfristigen Charts ansieht, wird feststellen: Höchstkurse sind an der Börse keine Anomalie und kein zwingendes Warnsignal für einen Absturz. Sie sind vielmehr der historische Normalzustand.

Die Weltwirtschaft wächst stetig weiter. Die Menschheit strebt unaufhörlich nach Fortschritt, Unternehmen entwickeln neue Technologien – sei es durch Digitalisierung, den rasanten Ausbau von Künstlicher Intelligenz oder die globale Infrastruktur – und steigern dadurch ihre Gewinne. Wenn ein gesundes Unternehmen wächst, effizienter wird und mehr Profite erwirtschaftet, steigt unweigerlich sein Unternehmenswert.

Solange die Weltbevölkerung wächst, konsumiert, Dienstleistungen in Anspruch nimmt und globale Konzerne ihre Geschäftsmodelle optimieren, werden auch die Aktienmärkte langfristig von einem Höchststand zum nächsten eilen. Wer aus reiner Sorge vor einem „zu teuren“ Markt dauerhaft an der Seitenlinie verharrt, verpasst nicht nur die besten Renditejahre. Er setzt sein hart erarbeitetes Vermögen auch einem noch viel gefährlicheren, weil unsichtbaren Feind aus.

Inflation: Der schleichende Dieb und das Risiko der „Sicherheit“

Viele Anleger horten ihr Geld am liebsten auf dem Tagesgeldkonto, dem Sparbuch oder in festverzinslichen Staatspapieren, weil sie das für den Inbegriff von Sicherheit halten. Doch in Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall. Auch wenn die offiziellen Inflationsraten medial gelegentlich als „besiegt“ deklariert werden, bleibt die Teuerung hartnäckig. Die Preise für Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Handwerker und den alltäglichen Lebensbedarf steigen kontinuierlich an. Jeder von uns spürt im Alltag, dass die persönliche Inflationsrate oft deutlich über den offiziellen Zahlen liegt.

In einer Welt, in der die Staatsverschuldungen fast schon „biblische“ Ausmaße angenommen haben, haben Staaten und Notenbanken gar kein echtes Interesse daran, die Inflation radikal auf null zu drücken. Eine stetig laufende Inflation hilft Staaten nämlich massiv dabei, ihre immensen Schuldenberge über die Zeit schleichend zu entwerten.

Wer in diesem Umfeld ausschließlich auf Zinspapiere setzt, wird zum unverbesserlichen Spekulanten gegen die eigene Kaufkraft. Nach Abzug der wahren Inflation schrumpft der reale Wert dieses Papiermögens von Tag zu Tag. Die einzige funktionierende Lösung liegt im sogenannten Sachkapital. Aktien sind keine abstrakten Zahlenkolonnen auf einem Bildschirm, sondern sie repräsentieren reale Unternehmensanteile – Fabriken, Maschinen, Patente, Immobilien und funktionierende Geschäftsmodelle. Wenn die Preise weltweit steigen, können starke Unternehmen diese Preiserhöhungen an ihre Endkunden weitergeben. Folglich steigen ihre Umsätze und Gewinne. Aktien bieten somit den effektivsten und historisch bewährtesten Inflationsschutz.

Marktrückgänge sind normal – und Teil des Spiels

Natürlich geht es an der Börse nicht in einer geraden, störungsfreien Linie nach oben. Kursschwankungen (Volatilität) und temporäre Rücksetzer sind schlichtweg der Preis, den Anleger für die langfristige Rendite zahlen.

Erinnern wir uns an die großen Krisen der jüngeren Vergangenheit: Die Finanzkrise 2008, die Euro-Krise, weltweite Pandemien und erschütternde geopolitische Konflikte. Jedes Mal wurden lauthals Weltuntergangsszenarien heraufbeschworen. Hätte man sich jedes Mal aus Angst aus dem Aktienmarkt zurückgezogen, hätte man sein eigenes finanzielles Fundament sabotiert.

Tatsächlich erholte sich der Markt nach jeder dieser Krisen und stürmte zu neuen Rekorden. Je länger Ihr Anlagehorizont ist, desto irrelevanter werden diese kurzfristigen Einbrüche. Ein Blick in historische Renditedreiecke zeigt eindrucksvoll: Wer sein Geld für 15 oder 20 Jahre weltweit breit gestreut investiert hat, hat in der Vergangenheit die Schwankungen komplett ausgesessen und keinen Verlust erlitten, sondern stattdessen eine verlässliche Durchschnittsrendite erzielt, die weit über der Inflation lag. Was kurzfristig extrem schwankt, wird langfristig bemerkenswert sicher.

Die „Welt-AG“ geht niemals pleite

Doch wie setzen Sie dieses Wissen nun konkret und sicher um? Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, niemals auf einzelne vermeintliche Gewinner-Aktien zu wetten. Verabschieden Sie sich von aktionistischem Handeln und den vermeintlich heißen Tipps irgendwelcher Gurus. Beteiligen Sie sich stattdessen an der gesamten Weltwirtschaft – der „Welt-AG“.

Ein einzelnes Unternehmen kann durch falsche Entscheidungen, veränderte Technologien oder unglückliche Umstände aus dem Wettbewerb ausscheiden. Die Gesamtheit aller Unternehmen weltweit geht jedoch niemals pleite. Vom apokalyptischen Kometeneinschlag einmal abgesehen, ist die Welt-AG unkaputtbar. Die Menschen werden immer Produkte kaufen, immer essen, sich kleiden, reisen und moderne Annehmlichkeiten genießen.

Wer heute nur auf die 40 Unternehmen im deutschen DAX setzt, geht ein völlig unnötiges lokales Klumpenrisiko ein. Ein grundsolides Basisinvestment wie der MSCI World Index beteiligt Sie bereits an rund 1.600 der größten Unternehmen aus den Industrienationen.

Das sicherste Portfolio der Welt aufbauen

Um Ihr Portfolio jedoch noch wetterfester und zukunftssicherer zu gestalten, reicht dieser eine Index oft nicht aus. Es geht darum, das Ausfallrisiko durch maximale, weltweite Streuung auf über 8.000 globale Firmen zu minimieren:

  1. Ergänzen Sie kleine Unternehmen (Small Caps): Diese fehlen in den großen Indizes oft aufgrund ihrer geringeren Marktkapitalisierung. Historisch gesehen bieten sie durch ihre Agilität jedoch überdurchschnittliche Wachstumschancen.

  2. Integrieren Sie Schwellenländer (Emerging Markets): Länder in Asien oder Lateinamerika bieten enorme dynamische Entwicklungschancen. Durch eine wachsende, leistungshungrige Mittelschicht liegt hier ein gigantisches wirtschaftliches Potenzial, das im klassischen MSCI World fast komplett fehlt.

  3. Beachten Sie regionale Gewichtungen: Europäische und asiatische Märkte stabilisieren das Portfolio zusätzlich, reduzieren Währungsrisiken und schwächen die extreme Dominanz des US-Marktes ab.

Die Psychologie austricksen: Antizyklisches Rebalancing

Selbst mit dem besten Portfolio bleibt der Mensch oft sein eigener größter Feind. In guten Marktphasen verleitet uns die Gier dazu, immer noch mehr Risiko einzugehen. In schlechten Phasen zwingt uns die Angst, zu Tiefstkursen panisch das Handtuch zu werfen.

Das Gegenmittel heißt Rebalancing – ein einfaches, aber geniales System, das Gier und Angst verlässlich ausschaltet. Beim Rebalancing legen Sie im Vorfeld eine feste Struktur fest. Zum Beispiel investieren Sie 70 Prozent in Ihr weltweites Aktienportfolio und halten 30 Prozent in schwankungsarmen Anlagen, Edelmetallen oder ganz einfach auf einem Tagesgeldkonto als psychologischen Stabilitätsanker.

Einmal im Jahr überprüfen Sie diese Aufteilung. Sind die Aktienmärkte hervorragend gelaufen und Ihr Aktienanteil ist beispielsweise auf 75 Prozent gestiegen, verkaufen Sie völlig emotionslos so viele Aktien, bis Sie wieder bei 70 Prozent angelangt sind. Sie sichern also Gewinne in einer Phase, in der die Kurse hoch sind. Sind die Märkte hingegen eingebrochen und Ihr Aktienanteil ist auf 65 Prozent gefallen, nehmen Sie Kapital aus Ihrem sicheren Hafen und kaufen Aktien günstig nach, bis die 70 Prozent wiederhergestellt sind.

Mit dieser Systematik handeln Sie automatisch antizyklisch: Sie verkaufen teuer und kaufen günstig ein. Ohne Emotionen, ohne nervöses Zocken, sondern einfach mit ruhiger Hand.

Gute Produkte können dieses Rebalancing völlig automatisch, steuer- und kostenfrei umsetzen, so dass Sie sich um nichts kümmern müssen.

Fazit

Lassen Sie sich nicht von Panikmachern, Crash-Propheten auf YouTube oder reißerischen Schlagzeilen verunsichern. „Zu teuer“ ist der Markt für den langfristig orientierten Investor so gut wie nie, denn die wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit zeigt eindeutig nach oben. Bleiben Sie dem weltweiten Aktienmarkt treu, setzen Sie auf maximale globale Diversifikation und bringen Sie schlichtweg Geduld mit. Marktschwankungen sind nicht Ihr Feind, sondern durch intelligentes Nachkaufen Ihr wichtigster Verbündeter.

Langfristig ist und bleibt die breit gestreute Welt-AG die beste, sicherste und letztlich alternativlose Methode, um Ihre Kaufkraft zu bewahren, der unsichtbaren Steuer der Inflation zu entkommen und entspanntes Vermögen für die Zukunft aufzubauen.

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