Das Geld und die Liebe – Paarbeziehungen und Finanzen

Anfang des Jahres gab es im Capital Magazin einen hilfreichen Artikel, in dem ich viele Paarthemen wiederentdeckt habe, die sich in meiner Praxiserfahrung rund um das Finanzthema ergeben. Daher möchte ich hier einen kleinen Überblick der häufigsten Themen geben.

Wie bei allen Paarthemen hilft vor allem eines: Offen darüber reden. Romantische Hoffnungen sind selten hilfreich, schon gar nicht, wenn es zum Konflikt kommt. Die Erwartung, der/die Partner/in müsse doch wissen, was für mich richtig ist, wenn er/sie mich wirklich liebt, ist schon bei Nicht-Geld-Themen eine Illusion. Beim intimen Thema Geld ist das noch unsinniger als beim ähnlich „totgeschwiegenen“ Thema Sex. Mein Vater sagte gerne mal unverblümt „Die Leute reden lieber über Fußpilz als über Geld“.

Im Folgenden verwende ich der klassischen Schönheit der deutschen Sprache zuliebe die traditionelle männliche Form, auch wenn ich damit natürlich alle Genderkonstellationen meine. Schrägstriche wie oben finde ich weniger schön.

Spannende Paarthemen rund ums Geld

Lassen Sie mich die folgenden Punkte ansprechen: Kontoführung, Versicherungen, Altersvorsorge, Ehevertrag, Kinder, Steuer, Hauskauf

Kontoführung

Nur 17% der Paare führen laut Capital neben eigenen Konten ein gemeinsames „Haushaltskonto“ (Drei-Konten-Modell). Jeweils rund 40% führen entweder ein Gemeinschaftskonto oder getrennte Konten. Das ist erstaunlich, denn Paarberater empfehlen das Drei-Konten-Modell, da es eine gute Balance aus Eigenständigkeit und Gemeinschaftsprojekt bietet. Beide zahlen auf das Haushaltskonto für die Dinge des täglichen Bedarfs von Einkauf bis Miete im Verhältnis ihrer Einkommen ein. Meine Frau und ich haben damit gute Erfahrungen gemacht. Neulich hatte ich ein Paar mit getrennten Konten in der Beratung, die erst kürzlich Kinder bekommen haben. Für die Frau fühlte es sich gar nicht gut an, dass sie Ihren Mann immer wieder um Ausgleich ihres Sollsaldos bitten musste, da sie für die täglichen Einkäufe und Kinderkleidung zahlte und in der Elternzeit kaum mehr Einkommen hatte. Sie wünschte sich ein Gemeinschaftskonto, er weiterhin getrennte Konten. Ich freue mich, dass sie inzwischen nach meiner Moderation ein drittes Haushaltskonto haben und sich auf einkommensanteilige Einzahlungen geeinigt haben.

Versicherungen

  • Beide Partner sollten ihre eigenen Berufsunfähigkeitsversicherungen haben, damit sich keiner vom anderen abhängig macht
  • Risikolebensversicherungen sollten auch beide haben und zwar „überkreuz“, damit die Todesfallleistungen erbschaftsteuerfrei bleiben
  • Rechtschutz- und Privathaftpflichtverträge können in günstige Partnerverträge konsolidiert werden
  • Krankenversicherungen sollten beide auf ähnlichem Leistungsniveau abschließen. Das Modell „er privat“ und „sie gesetzlich evtl. mit Zusatz“ führt manchmal zum Gefühl der Benachteiligung. Dann lieber nach Möglichkeit beide privat oder beide gesetzlich. Hier ist die individuelle Konstellation zu berücksichtigen hinsichtlich Einkommen, beruflichen Plänen und Gesundheit
  • Weitere Versicherungen je nach Konstellation…

Altersvorsorge / Vermögensaufbau

Die Partner sollten natürlich jeweils ihre eigene Altersvorsorge bzw. ihre eigenen Vermögenskonten haben, denn die Liebe ist am schönsten, wenn keiner sich vom anderen abhängig fühlt. In der Elternzeit sollte der weniger arbeitende Partner vom anderen einen Zuschuss zur eigenen Altersvorsorge erhalten. Kinder sind ein Gemeinschaftsprojekt und so sollte die alte Problematik der geringeren Rentenansprüche der daheimbleibenden Erziehenden (meist der Frau) der Vergangenheit angehören. Dazu spart lieber jeder auf seine Verträge als im Trennungsfall Versorgungsausgleiche mit teurer rechtlicher Beratung gestalten zu müssen.

Ehevertrag

Während im einfachen Fall der klassischen Ehe durchaus die gesetzliche Zugewinngemeinschaft ausreicht, gibt es etliche Konstellationen, die rechtlicher Beratung durch einen Anwalt bedürfen und einen Ehevertrag sinnvoll erscheinen lassen. Während bei Zugewinngemeinschaft am Ende alles aufgeteilt wird, was während der Ehe an Vermögen „gewachsen“ ist, so kann man unerwünschte Effekte aus eben dieser Regelung durch einen Vertrag oder andere Güterstände vermeiden. Ein klassisches Beispiel ist, dass ein Partner ein Familienunternehmen (eine Apotheke, einen Industriebetrieb…) einbringt, dessen Wert auch während der Ehe hoffentlich wächst. Durch einen Ehevertrag soll vermieden werden, dass das Unternehmen stark belastet oder gar liquidiert werden muss, um bei Scheidung Ausgleichsansprüche zu befriedigen.

Kinder

Kinder sind das spannendste Thema für die Partnerschaft überhaupt und es kann viele Paarkonflikte verursachen, wenn nicht offen über Erwartungshaltungen und Wünsche gesprochen wird. Klassische romantische Ideen enden all zu leicht in Feindschaft, wenn unausgesprochene Erwartungen wie „Ich kümmere mich um Kinder und Haushalt, wenn Du dafür das Geld nach Hause bringst“ im Raum stehen. In meiner Klientel funktioniert das regelmäßig so nicht. Die Partner verfügen meist über ähnlich hohe Qualifikationen und haben ähnliche Ambitionen. Oft entstehen Konflikte daraus, dass der Partner, der daheim bleibt, Abstriche in der Karriere hinnimmt, also auch finanziell verzichtet. Die Kompensation für den „Beruf Kindererziehung und Haushaltsmanagement“ sollte klar geregelt sein, damit unausgesprochener Groll vermieden wird. Nicht selten kommen in der unheilvollen Melange auch noch sexuelle Erwartungshaltungen ins Spiel die im ungünstigen Falle auf Verweigerungshaltungen treffen, welche oft wiederum mit uneingestandenem oder unausgesprochenem Groll zu tun haben. Viele Ehen scheitern daran. Geld und Sex sind wie gesagt die häufigsten Konfliktfelder.

Steuer

Auch darüber lässt sich seitenlang schreiben. Nur so viel: Hier sollte mit dem Steuerberater des Vertrauens über Erbschafts-/Schenkungssteuerthemen gesprochen werden, um Risiken zu vermeiden. In der Praxis führt auch das Thema Steuerklassen zu Diskussionen. Oft fühlt es sich für den nur Teilzeit arbeitenden Ehepartner mit der ungünstigeren Steuerklasse so an, als ob sich seine Arbeit gar nicht wirklich finanziell lohnt. Hier sollte ein Ausgleich geschaffen werden – und zwar nicht erst im Rahmen der Einkommensteuererklärung.

Wohnung/Hauskauf

Beim Mieten und beim Hauskauf kommt gerne die Diskussion auf, wer wieviel bezahlt oder auf wen das Grundbuch läuft.  Je nach bisherigen Erfahrungen, bewusst oder unbewusst überlieferten Überzeugungen aus dem Elternhaus oder Enttäuschungen in vorherigen Beziehungen, können Überzeugungen, Wünsche und Ängste sehr unterschiedlich ausfallen. Der eine geht selbstverständlich davon aus, dass es ok ist, das Häuschen gemeinsam zu finanzieren und gemeinsam im Grundbuch einzutragen. Der nächste würde so etwas nie (wieder) tun. Der eine kommt mit der Idee gut zurecht, dass Papa die Wohnung bezahlt und Mama Haushalt und Kinder managt, der andere hält das für blanken Sexismus. Unabhängige und somit unparteiische Gesprächspartner können dabei helfen, sich entsprechender Denkmodelle bei sich selbst bewusst zu werden und diese dann dem Partner gegenüber auch klar auszusprechen. So kann eine einvernehmliche Lösung bewusster verhandelt oder auch ganz von einem Gemeinschaftsprojekt abgesehen werden. Alle Ergebnisse sind möglich.

Fazit

Wie immer hilft es, wenn Paare über heikle Themen sprechen – besser vor wichtigen Entscheidungen als hinterher. Das gilt auch und ganz besonders für das „Tabuthema Geld“. Die romantische Annahme, dass man sich im weiteren Verlauf schon irgendwie einigt, da „wir uns ja ach so lieben“, ist eher realitätsfremd und schnell wird im Alltag und Konfliktfall aus Liebe Hass. Wer sich nicht zutraut, Geldthemen ohne professionelle Begleitung zu diskutieren, findet bei Rechts- und Steuerberatern sowie Finanzplanern die entsprechenden Begleiter, um mit möglichst kühlem Kopf durch so manches Minenfeld zu manövrieren. Ich bespreche gerne jene Fragen mit Ihnen, die keine isolierten Rechts- und Steuerberatungsfragen angehen. Das ist standesrechtlich diesen Berufsgruppen vorbehalten. Ich berate aber gern bei Finanzplanungs- und Lebensfragen.

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