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25.03.2020
Sicherheit

Geldanlage in Krisenzeiten - Paradoxien so weit das Auge reicht


Bild: Mediamodifier / pixabay

Zurzeit ist es spannend, die Kommentare, Analysen und Prognosen der Experten aus der Geldanlage-Gilde zu verfolgen. Da ist alles dabei:

  • „Jetzt kaufen. So günstig steigen Sie nie wieder ein.“
  • „Der Markt kann noch viel weiter fallen. In den USA sind die Konjunkturrisiken noch gar nicht  ausreichend eingepreist“
  • „Die globalen Hilfspakete von Regierungen und Zentralbanken werden zu einer V-förmigen Erholung führen
  • „Alles verkaufen. Rein ins Gold.“
  • „Gold verkaufen. Cash is king.“


Was davon stimmt, werden wir hinterher wissen.

Staatsgläubigkeit und "Cash-Drogenparty"

Aus meiner persönlichen Sicht gibt es aktuell – ähnlich wie in der Finanzkrise 2008 – eine Renaissance der Staatsgläubigkeit. „Merkel und die Zentralbank werden es schon richten.“ Die Geldschleusen werden mal wieder ein Stück weiter geöffnet: Die Kreditvergabe wird erleichtert, Sonderpakete für Unternehmen und Selbständige werden aufgelegt, die Zentralbank kauft jetzt nach lascheren Kriterien Staatsanleihen in ganz Europa auf und in den USA wird gerade über "Helikoptergeld" entschieden – einen pauschalen Scheck für jedermann.

Natürlich mag es zunächst sinnvoll sein, mit solchen Maßnahmen die Märkte zu beruhigen und die Nachfrage zu stimulieren – wenn es funktioniert. Klar ist, dass dadurch die weltweite Staatsverschuldung erneut einen beträchtlichen Sprung macht. Die "Cash-Drogenparty" geht weiter – diesmal eine Nummer härter. Die spannende Frage ist, wie lang wir dieses Spiel weitertreiben können. Wann hört bei dieser „Reise nach Jerusalem“ die Musik auf zu spielen? Das Beispiel Japan zeigt uns, dass man Niedrigzinspolitik und Aufkaufprogramme jahrzehntelang betreiben kann. Die Japaner sind aber auch recht treue Sparer und kaufen vergleichsweise zuverlässig die Anleihen auf, die der Staat begibt. In Europa und anderen Wirtschaftsräumen ist die Lage heterogener, das gegenseitige Vertrauen der Staaten untereinander weniger ausgeprägt. Privathaushalte nehmen wenig direkte Anleihenkäufe vor. Euroskepsis ist weit verbreitet.

Andererseits: Vielleicht wird den Regierungen nichts anderes übrig bleiben als mitzuspielen und so die wirtschafts- und fiskalpolitische Integration vorantreiben? So könnte das Schuldenmachen auf aggregierter Euroebene in die nächste – dann sogar legitimierte Runde gehen.

Und dann? Geht das immer so weiter?

Vielleicht. Aber die zunehmende Verschuldung der Staatshaushalte könnte eines Tages – wenn mal wieder ein völlig ungeahnter „schwarzer Schwan“ (so wie Corona einer ist) vorbeigeschwommen kommt, den ersten Dominostein des Vertrauens ins Wanken bringen. Geld ist nun einmal nichts anderes als ein reines Glaubensinstrument - im Zentralbankcomputer und bei den Kreditbanken erschaffen. Kredit – von lateinisch „credere“ – bedeutet schlichtweg Glaube. Wir glauben nur an die Kaufkraft der Geldscheine und der Zahlen in unserem Onlinebanking, weil wir bisher dafür echte Dinge kaufen konnten. Wenn dieses Vertrauen in die Währungen schwindet, kann das Kartenhaus des Glaubenssystems zusammenfallen und je nach weltweit koordiniertem Krisenmanagement kann das mehr oder weniger schmerzhaft verlaufen – im besten Fall gibt es neue Währungen, bei der alle Inhaber von Cash typischerweise massiv Kaufkraft verlieren. Luft entweicht aus dem aufgeblähten Glaubenssystem.

So gesehen, müssten wir konsequenter denn je Sachwerte kaufen.

Siehe dazu auch mein Artikel von 2015: Immobilien. Aktien solider Firmen. Rohstoffe. Nur wer Werte besitzt, die weiterhin Grundbedürfnisse der Menschheit befriedigen (Wohnraum, Windeln, Nahrung, Grundstoffe der Produktion…), wird immer etwas anzubieten haben, für das andere Geld bezahlen – in welcher Währung auch immer. Sonderrisiken wie Enteignungen und Sondersteuern sind zu bedenken. Solche Maßnahmen haben wir in der Historie bei Immobilien und Gold schon gesehen. Aktionäre kamen besser weg, schmerzhafte Kursverluste wurden bald aufgeholt.

Paradoxien

Paradoxerweise ist in diesen Tagen sogar Gold erst einmal gefallen, da institutionelle Investoren Cash benötigten, um ihre Risikopositionen abzusichern. Und paradoxerweise setzen wir kurzfristig genau auf das, das eigentlich nur aus Glaubens-Luft besteht, auf Cash oder Staatsanleihen.

Wie in jeder Krise, werden die Karten der Spieler neu gemischt. Wer in diesen Tagen mutig ist, könnte reich belohnt werden. Den richtigen Zeitpunkt werden wir kaum erwischen. Schauen wir 10 Jahre später zurück, wird es wohl auch wenig Unterschied machen, ob wir heute, in 3 oder 6 Monaten kaufen. Wir wissen es hinterher.



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