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25.03.2020
Sicherheit

„Gefühlsmanagement“ in Zeiten der Krise und eine mutmachende Re-Gnose


Bild: TanteTati / pixabay

Kann man Gefühle „managen“? Uns Business-Leuten würde das natürlich gefallen. Wir wollen alles vorhersagen, sichern, kontrollieren. Krisenpläne. Notfallstrategien. Turnaround-Management. Warum nicht auch bei den Gefühlen?

Was machen wir denn so mit unseren Gefühlen – selbst in „normalen“ Zeiten?

Irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, dass immer „alles gut“, „awesome“, „great“, „hervorragend“, „besser denn je“ sein muss. Die vollautomatische Antwort „Danke, bestens“ auf die Frage „Hi, wie geht’s“ ist dabei noch der kleinste Selbstbetrug.

Funktioniert "Alles gut!" auch in Krisen?

Spannender wird es schon, wenn uns wirkliche Herausforderungen begegnen, wie Jobverlust, Beziehungskrisen, Krankheit oder eben jetzt eine globale Viruskrise. Was machen wir da? Erlauben wir uns, unsere Angst in Form von Enttäuschung, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Wut, Selbsthass zu fühlen? Das ist wohl nicht immer oder gar selten der Fall.


Ich kenne das von mir selbst, wie ich anfange, „fabelhafte“ Ausweichstrategien zu entwickeln: Musik, Sport, Sex, Ausgehen, Telefonate mit Kollegen. Das sind noch die gesünderen Strategien. Ich kann mich aber auch an Zeiten erinnern, da habe ich wie ein Bekloppter gearbeitet, die Familie vernachlässigt, auch mal ein Glas zu viel getrunken und habe mich mit Filme Schauen bis spät in die Nacht abgelenkt, nur um meine Gefühle nicht fühlen zu müssen. Bei Einzelnen kommen womöglich härtere Süchte wie Drogen ins Spiel, um weiter zu funktionieren.


Wie wäre es, wenn wir uns erlaubten, unsere sogenannten „negativen Gefühle“ einfach einmal zu fühlen? Wenn wir sie da sein ließen? Ganz langsam und vorsichtig? Jedes Mal ein bisschen mehr als beim letzten Mal? Wenn wir im Kreis von Familie und Partner oder auch mit einem Coach oder Therapeuten ganz offen über unsere Ängste sprechen?


Mir gelingt es je nach Tagesform und „Akkuladung“ (Essen, Schlafen, Sex, Bewegung…) mal mehr und mal weniger, auch diese Gefühle zuzulassen, darüber zu reden oder einfach nur zu fühlen – im Sitzen, beim Spazieren... Aber wenn ich es tue, geschieht manchmal Erstaunliches: Das negative Gefühl verwandelt sich, wenn ich mir erlaube, es zu fühlen, und es mir genau anzuschauen. Es verliert seinen Schrecken. Manchmal löst es sich dann einfach auf, manchmal verwandelt es sich in ein wohliges Gefühl. Und manchmal muss ich dann einfach lachen – über mich selbst.


Und wenn es mir mal wieder nicht gelingt, dann ist es zwar unangenehm, aber ich habe erneut festgestellt, dass es mich nicht umbringt. Vielleicht bin ich dann beim nächsten Mal etwas mutiger. Ernster wird es, wenn wir die Gefühle so lange verdrängen, bis wir ernsthaft erkranken. Drogenabhängigkeit, Psychosen, Depressionen, Manien, Neurosen. Da ist professionelle Hilfe angesagt. Ich mache mir so meine Gedanken, wie sich die Krise in dieser Hinsicht auswirkt. Isolation und wirtschaftliche Existenzängste sind für viele sicherlich nicht förderlich für die psychische Gesundheit. Dazu das Wissenschaftsmagazin des WDR: https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/darum-ist-die-corona-pandemie-nicht-in-wenigen-wochen-vorbei/


Trotzdem sehe ich in der Krise auch eine Chance, dass wir als Menschen enger zusammenrücken. Ein Beitrag von Zukunftsforscher Horx hat mir in dieser Hinsicht Mut gemacht. Er wagt eine sogenannte Re-Gnose – den Blick zurück aus der Zukunft: https://kurier.at/wissen/matthias-horx-das-ist-ein-historischer-moment/400785341  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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