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25.03.2019
Sicherheit

PKV und Altersrückstellungen: Was passiert bei Tarifänderungen?


Anders als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bildet die Private (PKV) in umfangreichem Maße Altersrückstellungen. Wie wirkt sich das bei vom Kunden gewünschten Tarifänderungen aus und was ist dabei zu berücksichtigen?

Beitragskalkulation als Lebensdurchschnitt

Zunächst zum Hintergrund: In Deutschland sind als Alternative zur GKV nur PKVen zugelassen, die nach gesetzlichen Regeln Altersrückstellungen aufbauen, um die höheren Kosten im Alter abzufangen. Im Prinzip muss der Beitrag quasi als Durchschnittsbeitrag so kalkuliert werden, dass er allein auf Grund des Älterwerdens nicht ansteigt. Andere Faktoren können natürlich trotzdem zu Beitragsveränderungen führen. So haben vor allem die steigende Lebenserwartung, die Niedrigzinsphase, wie auch gesetzliche Änderungen zur Unisexkalkulation in der PKV zu spürbaren Beitragssteigerungen geführt. Ganz entscheidend ist aber die Inflation und die darüber hinaus sogar stärker steigenden Gesundheitskosten. Aber auch die Gesetzliche steigt pro Jahr um rund 5% an, wie Langzeitstatistiken zeigen. Anders als in der PKV kommen bei der GKV Leistungskürzungen durch die Politik hinzu.

Wesentliche Beitragsanteile führen zu hohen Altersrückstellungsanteilen

Aber zurück zu den Altersrückstellungen in der PKV. In einem „handelsüblichen“ Vertrag führen die gesetzlichen Vorschriften dazu, dass bei jungen Menschen rund die Hälfte der Beiträge als Altersrückstellungen verzinslich angelegt werden. Je nach Gesellschaft fallen hier aktuell 2-3% steuerfreie Verzinsung an. So kommen schnell große Beträge zusammen. Neulich habe ich den Betrag für einen Kunden abgefragt, der schon länger in der PKV war. Es waren rund 50.000€ bereits angespart worden. Jeder PKV-Kunde kann bei seiner Gesellschaft den Betrag neugierdehalber anfragen. Auszahlbar ist er jedoch nicht.

Was passiert bei Tarifänderungen?

Trotzdem hat dieses Kapital ganz massive Auswirkungen – und zwar nicht erst im Alter. Auch bei Tarifänderungen muss das Kapital kalkulatorisch berücksichtigt werden. Es gilt die gesetzliche Kalkulationsverordnung. Im Idealfall hat ein Kunde lange Jahre als Alleinverdiener in einem Tarif mit umfangreichen Leistungen signifikante Altersrückstellungen gebildet. Für diesen „großen“ Tarif mussten vorgeschriebenermaßen auch „große“ Altersrückstellungen gebildet werden, da die Kalkulation unterstellt, dass genau dieser Tarif auch im Alter fortgeführt wird.

Rabatteffekte bei Tarif-Herunterstufung

Nehmen wir an, dieser Kunde hatte einen 100%-Tarif, d.h. z.B. ambulante Leistungen ohne Selbstbehalt versichert. Führt er nun einen Tarifwechsel in einen ambulanten Tarif mit einem Selbstbehalt von z.B. 500€ im Jahr durch, so hat er für diesen „kleineren“ Tarif ein Zuviel an Altersrückstellungen gebildet. Die finanzmathematischen Formeln in der Software des Versicherers kalkuliert nun nach den gesetzlichen Regeln automatisch, um wieviel der Beitrag im neuen Tarif günstiger ausfallen kann, damit die zu diesem kleineren Tarif passenden Altersrückstellungen mit Alter 65 erreicht werden. Da schon mehr da ist als für den kleineren Tarif erforderlich, kann im diesem ein niedrigerer Sparanteil berücksichtigt werden. Somit wird der kleinere Tarif günstiger als für jene Kunden, die von Anfang an den kleineren Tarif hatten. Genau deshalb rate ich auch den meisten Menschen, in jungen Jahren – insbesondere als Alleinverdiener – große Tarife zu fahren. So werden viele Altersrückstellungen gebildet, die bei späteren Tarifänderungen rabattierend angerechnet werden. Arbeitgeber und Finanzamt finanzieren im großen Tarif also auch die Altersrückstellungen mit. So können sich bei Runterstufungen während der Elternzeit wunderbar günstige Beiträge ergeben. 

Nachholzuschläge bei Tarif-Hochstufungen

Der umgekehrte Fall ist leider oft das Ergebnis weniger vorausschauender Beratungen. Kunden schließen bei irgendeinem Berater oder Internetportal den Super-Billig-Tarif ab und bekommen noch dazu die Werbeaussage: Sie können ja später dank Optionen hochstufen. Nur: Dann ergibt sich der logischerweise ein Nachholbedarf bei den Altersrückstellungen. Der Kunde muss für den besseren Tarif viel mehr bezahlen als ein Kunde, der diesen schon von Anfang an angewählt hatte. Nachholeffekte im kleineren Rahmen ergeben sich durch vorübergehendes Aussetzen der PKV, z.B. während einer Auslandszeit (oft KV über Arbeitgeber) oder einer Teilzeit (einkommensbedingte Pflichtversicherung in der GKV). Zwar kann das Rückkehrrecht in die PKV über eine günstige kleine Anwartschaftsversicherung gesichert werden. Dadurch werden aber keine neuen Altersrückstellungen gebildet. Es verzinsen sich nur die bereits vorhandenen weiter. Über eine sogenannte große Anwartschaftsversicherung kann dieser Nachteil vermieden werden. Diese kostet aber dann eben auch ihre 30-50% des Normalbeitrages – eben jenen Sparanteil. Manche Arbeitgeber sind so kulant, diese Beiträge während einer Entsendung ins Ausland zu übernehmen.

Anbieterwechsel und Kündigung

Die Altersrückstellungen können übrigens für ab 2009 abgeschlossene PKVen auch zu anderen Anbietern übertragen werden, so dass dort der Beitrag rabattiert wird. Ältere Verträge erlauben das gesetzlich vorgeschrieben leider nicht. Und im Falle eines Wechsels in die GKV gehen die Altersrückstellungen verloren, d.h. kommen dem Kollektiv der verbliebenen Kunden zugute. Im Falle einer Pflichtversicherung (Arbeitslosigkeit, Teilzeit…) kann das, wie oben beschrieben, durch eine Anwartschaftsversicherung vermieden werden. 

Fazit

Die PKV ist in Wirklichkeit nicht nur eine Versicherung, sondern auch ein Sparvertrag. Um so wichtiger ist das Verständnis dieser Verträge. Wer sie durchschaut hat, bildet lieber mehr Altersrückstellungen als weniger – in entsprechend komfortablen Tarifen und freut sich, dass Arbeitgeber und Finanzamt mitbezahlen. Die Belohnung sind dicke Rabatte bei späteren Tarifänderungen, allerspätestens im Alter. Richtig gemacht ist die PKV im Alter daher sogar günstiger als die GKV. Das gilt vor allem für fleißige Menschen, die im Alter über entsprechende Einkünfte verfügen, die bei der GKV empfindlich abkassiert werden (aktuell rund 850€ Höchstbeitrag – noch ganz ohne erforderliche Zusatzversicherungen).


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